Nicht jeder schlimme Kopfschmerz ist eine Migräne, und nicht jede Migräne ist offensichtlich. Spannungskopfschmerzen und Migräne sind die beiden häufigsten Arten wiederkehrender Kopfschmerzen, und an einem schlechten Tag können sie sich ähnlich anfühlen. Es sind aber unterschiedliche Erkrankungen, sie sprechen meist auf unterschiedliche Behandlungen an, und wenn du weißt, womit du es zu tun hast, kommst du viel leichter mit ihnen zurecht.
Dieser Ratgeber stellt beide nebeneinander, erklärt die Anzeichen, anhand derer Ärztinnen und Ärzte sie unterscheiden, und zeigt, was du tun kannst, wenn du nicht sicher bist, welche du hast.
Die Kurzfassung
Ein Spannungskopfschmerz fühlt sich meist wie ein enges Band oder Druck auf beiden Seiten des Kopfes an. Er ist unangenehm, lässt dich deinen Tag aber normalerweise weitermachen, und Bewegung macht ihn nicht schlimmer.
Eine Migräne ist meist ein pochender oder pulsierender Kopfschmerz, oft einseitig, der stark sein kann. Sie wird bei Bewegung meist schlimmer und geht oft mit Übelkeit und starker Licht- und Geräuschempfindlichkeit einher.
Im direkten Vergleich
Diese Beschreibungen stammen vom NHS und aus der internationalen Klassifikation der Kopfschmerzerkrankungen (ICHD-3), den Kriterien, mit denen Ärztinnen und Ärzte Kopfschmerzen diagnostizieren.1234
| Spannungskopfschmerz | Migräne | |
|---|---|---|
| Fühlt sich an | Drückend oder einengend, wie ein Band um den Kopf | Pochend oder pulsierend |
| Wo | Beide Seiten des Kopfes, Gesicht oder Nacken | Oft einseitig, kann aber beidseitig sein |
| Wie stark | Leicht bis mittelstark | Mittelstark bis stark |
| Wirkung von Bewegung | Wird durch Alltagsaktivität nicht schlimmer | Oft schlimmer bei Bewegung, etwa beim Treppensteigen |
| Übelkeit oder Erbrechen | Nein | Häufig |
| Licht und Geräusche | Meist nicht; höchstens leichte Empfindlichkeit für eines davon | Oft sehr empfindlich für beides |
| Wie lange | 30 Minuten bis 7 Tage | Meist 4 Stunden bis 3 Tage |
| Warnzeichen | Keine | Manche haben vorher eine Aura |
Spannungskopfschmerzen
Der NHS beschreibt Spannungskopfschmerzen als Schmerz auf beiden Seiten von Kopf, Gesicht oder Nacken, mit dem Gefühl, dass etwas auf den Kopf drückt oder sich um ihn zusammenzieht. Die Stelle kann berührungsempfindlich sein, und du solltest deinen Alltagsaktivitäten nachgehen können, ohne dass es schlimmer wird.1 Nach den ICHD-3-Kriterien dauern sie 30 Minuten bis sieben Tage, sind leicht oder mittelstark und gehen nicht mit Übelkeit oder Erbrechen einher.3
Spannungskopfschmerzen sind sehr häufig. Typische Auslöser sind Stress, Schlafprobleme und Koffein,1 und viele bemerken sie an langen Tagen am Schreibtisch oder Bildschirm. Unsere Ratgeber zu Stresskopfschmerzen und Kopfschmerzen durch Bildschirme schauen sich diese Muster genauer an.
Migräne
Der NHS beschreibt die Hauptsymptome einer Migräneattacke als pochenden Kopfschmerz, der stark sein kann, oft einseitig ist und bei Bewegung schlimmer werden kann, zusammen mit Übelkeit oder Erbrechen und starker Licht- und Geräuschempfindlichkeit.2 Für eine Diagnose verlangen die ICHD-3-Kriterien Attacken von 4 bis 72 Stunden Dauer mit mindestens zwei der folgenden Merkmale: einseitiger Schmerz, pulsierender Charakter, mittelstarker oder starker Schmerz und Verstärkung durch körperliche Routineaktivität, dazu Übelkeit oder Empfindlichkeit für Licht und Geräusche zugleich.4
Migräne bringt oft weitere Symptome neben dem Kopfschmerz mit sich. Manche bemerken Stunden oder sogar ein, zwei Tage vor dem Schmerz frühe Anzeichen wie Müdigkeit und Gähnen, Heißhunger, Stimmungsschwankungen oder einen steifen Nacken. Manche haben zuerst eine Aura: Sehstörungen wie Zickzacklinien oder Lichtblitze, Kribbeln oder Taubheitsgefühl, Schwindel oder Sprachschwierigkeiten. Aurasymptome sollten nicht länger als eine Stunde dauern.2
Warum der Unterschied wichtig ist
Die beiden werden unterschiedlich behandelt, deshalb lohnt es sich, richtig zu liegen.
Bei Spannungskopfschmerzen empfiehlt der NHS einfache Schmerzmittel wie Paracetamol, Acetylsalicylsäure (Aspirin) oder Ibuprofen, dazu Dinge, die dir beim Entspannen helfen, bessere Schlafgewohnheiten und bei Nackenschmerzen ein niedriges, festes Kissen oder Wärme- bzw. Kältepackungen.1
Die Migränebehandlung kann Schmerzmittel umfassen, aber auch migränespezifische Medikamente wie Triptane sowie Mittel gegen Übelkeit. Bei häufigen Attacken schlägt eine Ärztin oder ein Arzt vielleicht eine vorbeugende Behandlung vor.2 Eine Migräne wie einen gewöhnlichen Kopfschmerz zu behandeln, kann bedeuten, das falsche Medikament zu nehmen oder immer mehr Schmerzmittel zu schlucken, die nicht richtig wirken, was das Risiko für Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch erhöht.
Was, wenn du beides hast?
Es ist möglich, beides zu haben. Vielleicht hast du häufig leichte Spannungskopfschmerzen und gelegentlich Migräne, sodass du an einem bestimmten Tag schwer sagen kannst, womit du es zu tun hast.
Genau hier hilft ein Kopfschmerztagebuch sehr. Notiere bei jedem Kopfschmerz:
- Wo es wehgetan hat und wie es sich angefühlt hat: drückend oder pochend.
- Wie stark er war und ob Bewegung ihn schlimmer gemacht hat.
- Ob dir übel war oder du licht- und geräuschempfindlich warst.
- Wie lange er gedauert hat und was du genommen hast.
Nach ein paar Wochen siehst du meist zwei Gruppen entstehen, oder du merkst, dass deine Kopfschmerzen eher einem Muster folgen, als du dachtest. Diese Aufzeichnungen sind auch genau das, was eine Ärztin oder ein Arzt für die Diagnose braucht. Um herauszufinden, was die jeweilige Art auslöst, lies unseren Ratgeber zu Kopfschmerz-Auslösern.
Wann du ärztliche Hilfe brauchst
Der NHS rät, zur Ärztin oder zum Arzt zu gehen, wenn du mehrmals pro Woche Kopfschmerzen hast oder sie stark sind, wenn Schmerzmittel und Entspannung nicht helfen oder wenn du pochende Schmerzen vorn oder auf einer Seite des Kopfes hast, dir übel ist und Licht oder Lärm wehtun, da dies auf Migräne oder eine andere Kopfschmerzart hindeuten kann.1 Wegen Migräne solltest du ärztliche Hilfe suchen, wenn deine Attacken stark sind, schlimmer werden oder länger dauern, öfter als einmal pro Woche auftreten oder schwer in den Griff zu bekommen sind.2
Hol dir dringend Hilfe, wenn eine Migräneattacke länger als 72 Stunden oder eine Aura länger als eine Stunde dauert. Ruf den Notruf bei einem Kopfschmerz, der plötzlich beginnt und extrem stark ist, oder der mit Sprachstörungen, Sehverlust, Verwirrtheit, einem Krampfanfall, Schwäche auf einer Körperseite oder sehr hohem Fieber mit Anzeichen einer Hirnhautentzündung einhergeht.2 Unser Ratgeber Was tun, wenn Kopfschmerzen anfangen erklärt diese Warnzeichen.
So fängst du an
Schreib beim nächsten Kopfschmerz auf, wie er sich angefühlt hat, wo er war und ob Licht, Geräusche oder Bewegung ihn schlimmer gemacht haben. Mit Headache & Migraine Diary kannst du Art, Ort, Stärke und Dauer jedes Kopfschmerzes in Sekunden erfassen. So siehst du nach ein paar Wochen, welchem Muster deine Kopfschmerzen wirklich folgen, und kannst es mit deiner Ärztin oder deinem Arzt teilen.

