Wenn dein Kopf nach einem langen Tag am Laptop oder nach mehreren Videocalls hintereinander zu schmerzen beginnt, bildest du dir das nicht ein. Bildschirme gehören zu den Dingen, die Menschen am hĂ€ufigsten mit ihren Kopfschmerzen in Verbindung bringen. Aber der Bildschirm selbst ist selten die ganze Geschichte. Kopfschmerzen durch Bildschirme entstehen meist durch das, was rund um den Bildschirm passiert: mĂŒde Augen, ein steifer Nacken, Blendung, lange Phasen ohne Pause und Tage, die ohnehin schon stressig sind.
Dieser Ratgeber erklĂ€rt, warum Bildschirme zu Kopfschmerzen fĂŒhren können, was du an deinem Arbeitsplatz und deiner Routine Ă€ndern kannst und wie du erkennst, ob Bildschirme wirklich dein Auslöser sind.
Warum Bildschirme Kopfschmerzen verursachen können
Digitale Ăberanstrengung der Augen
Wenn du lange auf einen Bildschirm schaust, mĂŒssen deine Augen hart arbeiten, um eine nahe Entfernung scharf zu halten. Das Ergebnis wird oft als digitale Ăberanstrengung der Augen bezeichnet. Die Cleveland Clinic nennt als Symptome unter anderem Kopfschmerzen, Nacken- und Schulterschmerzen, verschwommenes Sehen, trockene Augen und Konzentrationsschwierigkeiten.1
Trockene Augen spielen eine gröĂere Rolle, als die meisten erwarten. Die American Academy of Ophthalmology weist darauf hin, dass wir beim Blick auf einen Bildschirm viel seltener blinzeln, sodass die Augen austrocknen und sich am Ende des Tages mĂŒde oder wund anfĂŒhlen. Ăberanstrengte Augen sind unangenehm, schĂ€digen die Augen aber nicht dauerhaft.2
Haltung und Muskelverspannung
Bildschirme ziehen deinen Kopf nach vorn. Ein Laptop auf dem Schreibtisch oder ein Handy auf dem SchoĂ bedeutet oft stundenlang gebeugten Nacken und hochgezogene Schultern. Diese anhaltende Spannung in Nacken, Schultern und Kiefer trĂ€gt hĂ€ufig zu Kopfschmerzen vom Spannungstyp bei, die sich meist wie ein enges Band oder Druck um den Kopf anfĂŒhlen. Wenn du nicht sicher bist, welche Art von Kopfschmerz du hast, erklĂ€rt unser Ratgeber zu Spannungskopfschmerz und MigrĂ€ne den Unterschied.
Licht, Blendung und Helligkeit
Helle Bildschirme in einem dunklen Raum, Blendung durch ein Fenster oder flackerndes Licht können fĂŒr alle unangenehm sein. Bei Menschen mit MigrĂ€ne ist Lichtempfindlichkeit sehr hĂ€ufig: The Migraine Trust sagt, dass etwa 80 Prozent der Menschen mit MigrĂ€ne wĂ€hrend einer Attacke lichtempfindlich sind. Interessanterweise weist die Organisation auch darauf hin, dass Lichtempfindlichkeit ein frĂŒhes Anzeichen einer bereits beginnenden Attacke sein kann und nicht ihre Ursache.4 Wenn sich helle Bildschirme also plötzlich unertrĂ€glich anfĂŒhlen, kann das ein Signal fĂŒr eine Pause sein, kein Beweis, dass der Bildschirm den Kopfschmerz ausgelöst hat.
Und was ist mit Blaulicht?
Blaulicht bekommt viel Aufmerksamkeit, aber die Studienlage stĂŒtzt die meisten Behauptungen nicht. Die American Academy of Ophthalmology sagt, es gibt keine wissenschaftlichen Belege dafĂŒr, dass Blaulicht von digitalen GerĂ€ten die Augen schĂ€digt, und sie empfiehlt keine Blaulichtfilterbrillen fĂŒr die Computerarbeit, da Studien darauf hindeuten, dass sie ĂŒberanstrengte Augen nicht verbessern.3 Eine Rolle spielen kann Blaulicht beim Schlaf: Bildschirme spĂ€t am Abend können das Einschlafen verzögern, und Schlaf und Kopfschmerzen hĂ€ngen eng zusammen.
Warum Videocalls sich schlimmer anfĂŒhlen können
Viele Menschen merken, dass ein Tag voller Videocalls anstrengender ist als ein Tag mit normaler Bildschirmarbeit. Forschende der Stanford University haben mehrere GrĂŒnde beschrieben, warum Videocalls ermĂŒden: ungewöhnlich intensiver Blickkontakt aus der NĂ€he, das stĂ€ndige Sehen des eigenen Gesichts, stilles Sitzen an einem Fleck, weil du im Bild bleiben musst, und die zusĂ€tzliche geistige Anstrengung, Menschen ĂŒber einen Bildschirm zu lesen.5
Diese Kombination aus konzentrierten Augen, starrer Haltung und geistiger Belastung ist ein Rezept fĂŒr Kopfschmerzen. Einige der einfachsten Lösungen stammen aus derselben Forschung:
- Blende deine Selbstansicht aus, sobald du deinen Bildausschnitt geprĂŒft hast. In den meisten Apps kannst du sie fĂŒr dich ausschalten, wĂ€hrend die anderen dich weiter sehen.
- Verkleinere das Videofenster, statt es im Vollbild zu nutzen, damit Gesichter nicht ĂŒberlebensgroĂ sind.
- Mach reine Audio-Pausen. Bei Calls, in denen du nicht im Bild sein musst, kannst du mit ausgeschalteter Kamera dich bewegen und deine Augen ausruhen.
- Lass LĂŒcken zwischen den Calls. Schon fĂŒnf Minuten zum Aufstehen, Wegschauen und Wassertrinken machen ĂŒber einen langen Tag einen Unterschied.
Ănderungen, die meist helfen
Du brauchst keinen perfekten Arbeitsplatz. Ein paar Ănderungen bringen den gröĂten Teil des Nutzens.
Befolge die 20-20-20-Regel. Schau alle 20 Minuten fĂŒr 20 Sekunden auf etwas, das etwa 20 FuĂ (6 Meter) entfernt ist.1 So baust du ganz einfach regelmĂ€Ăige Pausen in deine Bildschirmzeit ein.
Stell deinen Bildschirm richtig auf. Sitz etwa eine ArmlĂ€nge vom Bildschirm entfernt, mit der Oberkante des Bildschirms auf oder knapp unter Augenhöhe, sodass du leicht nach unten schaust. Wenn du lange am Laptop arbeitest, helfen ein StĂ€nder und eine separate Tastatur deinem Nacken viel mehr als jedes Zubehör fĂŒr deine Augen.
Reduziere Blendung. Stell den Bildschirm so auf, dass er nicht zu einem Fenster zeigt oder direkt davor steht. Pass die Bildschirmhelligkeit an den Raum an: Ein sehr heller Bildschirm in einem dunklen Raum oder ein dunkler in einem hellen Raum strengen beide die Augen an. Ein Blendschutzfilter kann helfen, wenn du den Bildschirm nicht umstellen kannst.
Blinzle und kĂŒmmere dich um trockene Augen. Achte bewusst darauf, vollstĂ€ndig zu blinzeln, besonders wenn du dich konzentrierst. Wenn sich deine Augen trotzdem trocken anfĂŒhlen, frag in der Apotheke oder beim Optiker nach befeuchtenden Augentropfen.
Lass deine Augen untersuchen. ErwĂ€hne deine Bildschirmzeit beim nĂ€chsten Sehtest. Wenn du stundenlang am Computer arbeitest, frag nach einer Bildschirmbrille, die laut American Academy of Ophthalmology fĂŒr die Bildschirmentfernung gemacht ist, etwa 20 bis 26 Zoll (50 bis 65 cm) vom Gesicht.2
Beweg dich. Steh etwa jede halbe Stunde auf, kreise die Schultern und wechsle die Position. Lange, starre Phasen belasten Nacken und Kiefer.
Wenn sich deine Kopfschmerzen eher an Arbeitstagen als am Wochenende hĂ€ufen, sind Bildschirme wahrscheinlich nur ein Teil eines gröĂeren Musters. Unser Ratgeber zu Kopfschmerzen bei der Arbeit behandelt den Rest des Arbeitstags: Meetings, Mahlzeiten, LĂ€rm und Stress.
So erkennst du, ob Bildschirme dein Auslöser sind
Kopfschmerzen durch Bildschirme kommen selten von Bildschirmen allein. Sie tauchen meist auf, wenn viel Bildschirmzeit auf einen Tag fÀllt, der schon andere Belastungen hat: kurzer Schlaf, ein ausgelassenes Mittagessen, eine Deadline oder zu viel Koffein. Deshalb gibt man dem Bildschirm leicht die Schuld an einem Kopfschmerz, der mehrere Ursachen hatte.
Ein Kopfschmerztagebuch ist der beste Weg, das herauszufinden. Notiere zwei bis drei Wochen lang ungefÀhr, wie viele Stunden du an Bildschirmen verbracht hast, wie viele davon Videocalls waren, ob du Pausen gemacht hast und was an dem Tag sonst los war. Vergleiche dann deine Kopfschmerztage mit deinen kopfschmerzfreien Tagen. Wenn lange Bildschirmtage nur dann Probleme machen, wenn du auch schlecht geschlafen hast, zÀhlt der Schlaf vielleicht mehr als der Bildschirm. Unser Ratgeber zu Kopfschmerz-Auslösern erklÀrt, wie du echte Auslöser von ZufÀllen unterscheidest.
Wann du Àrztliche Hilfe brauchst
Geh zur Ărztin, zum Arzt oder zum Optiker, wenn Kopfschmerzen durch Bildschirme hĂ€ufig sind, immer schlimmer werden oder mit anhaltenden SehverĂ€nderungen einhergehen. Hol dir sofort Ă€rztliche Hilfe bei einem Kopfschmerz, der plötzlich beginnt und extrem stark ist, oder der mit SchwĂ€che, TaubheitsgefĂŒhl, Verwirrtheit, Sprachstörungen, Sehverlust, einem Krampfanfall oder hohem Fieber mit steifem Nacken einhergeht.6 Unser Ratgeber Was tun, wenn Kopfschmerzen anfangen listet die Warnzeichen auf.
So fÀngst du an
Such dir fĂŒr die nĂ€chsten zwei Wochen zwei Ănderungen aus: Die 20-20-20-Regel und eine Verbesserung bei der Position deines Bildschirms oder bei der Blendung sind ein guter Anfang. Lass alles andere gleich, damit du erkennst, ob sie helfen. Wenn du sehen willst, ob deine langen Bildschirmtage mit deinen Kopfschmerzen zusammenfallen, kannst du mit Headache & Migraine Diary einen Kopfschmerz in Sekunden erfassen und mögliche Auslöser wie Bildschirmzeit markieren. So erkennst du das Muster im Lauf einiger Wochen leichter.

